Somatische Erinnerung an Historische Gewalt

Transgenerationale Epigenetik des Traumas – die Shoah, Antisemitismus und Rassismus

Trauma in Kunst & Praxis

Sammlung von Kunstwerken, Bildern und Ausstellungsfotos im Zusammenhang mit transsomatischem Trauma

  • Können wir uns in Oberflächen, Strukturen und Texturen selbst sehen? Dorothee Krings (Berlin) war und ist neben vielem anderen auch Fotografin. In den vergangenen Jahren hat sie private Trauma-Salons veranstaltet, in denen sich über persönliche Zugänge zur eigenen Geschichte, zu Verletzungen und eigenem Umgang damit ausgetauscht werden konnte. Makrofotografie ist bei ihr ein bildgebendes Verfahren, das optisch frei legt, was unmöglich scheint: die tiefer liegenden Schichten der Zeit. Ihre Bilder sprechen von der Verwundbarkeit unserer Welt und damit auch von unserer Verletzlichkeit.

Somatische Erinnerung an Historische Gewalt

Transgenerationale Epigenetik des Traumas – die Shoah, Antisemitismus und Rassismus

Wie Abwesenheit, wie Schmerz ausdrücken? – Zwischen 1991 und 2012 wurden in Kolumbien 900 Lehrer:innen ermordet (nach: Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mario Novelli. Krieg in den Klassenzimmern. Politische Gewalt gegen Gewerkschaften im Bildungssektor in Kolumbien 2009). Schätzungen zufolge wurden zwischen 1954 und 2011 im Rahmen der Repression gegen die Studentenbewegungen  des Landes 91 Studenten ermordet. – Ausstellung des Museo Casa de la Memoria (Haus der Erinnerung) in Medellín/COL 2023. LINK

Ohne zu leugnen, dass für Opfer auch Schweigen oder das Bedürfnis zu vergessen eine Option sind, lädt das Museo Casa de la Memoria (Haus der Erinnerung) in Medellín/COL die Öffentlichkeit ein, zuzuhören und sich solidarisch mit dem Schmerz anderer zu zeigen, sich den Geschichten zu stellen, die ans Licht kommen wollen, die gehört und gemeinsam aufgearbeitet werden wollen, um einen Ausweg aus dem zu finden, was noch schmerzhafter ist, wenn man es allein erlebt. LINK

Medellín wurde auf Konvergenz und Segregation gebaut: Spannungen, die eine Stadt geschaffen haben, in der viele Teile der Stadtgesellschaft vom Wachstum und vom Reichtum Medellíns nicht profitiert en. Ihre indigenen Ursprünge, bis heute andauernde koloniale Ausbeutung, die vielfältigen Migrationsbewegungen, die den Prozess der Industrialisierung, die Organisation des städtischen Wachsens und die Dynamik der öffentlichen Politik durchliefen – trotz aller Bemühungen um Integration haben bewaffnete Akteur:innen diese Situationen beständig ausgenutzt, um Konflikte und städtische Gewalt zu schüren: von der Kontrolle des privaten Alltags bis hin zur wirtschaftlichen Verwertung der Stadt. Diesen Spannungen stehen jedoch immer konkrete Lebenserfahrungen, Kämpfe um deren Anerkennung und permanenter, kollektiver Widerstand gegenüber. Sie haben den traumatischen Stadtraum, wie wir ihn heute kennen, geprägt. Foto: Das Museo Casa de la Memoria (Haus der Erinnerung) in Medellín/COL 2023 und seine Nachbarschaft. LINK

Generation und Chronologie. Die Zeitlinie der Geschichte und der Gewalt wird von uns auf ganz eigene Art und Weise interpretiert: als Linie, als Spirale, als Zyklus oder auch ohne besondere Form. Obwohl die Zeit oft linear dargestellt wird, überschneiden sich die Ereignisse, die die Geschichte der Gewalt geprägt haben. Der Zeitstrahl soll zur politischen Analyse der letzten 70 Jahre, von Macht und ihrem  Missbrauch beitragen, der zur Entstehung von Konflikten und Gewalt auf der ganzen Welt beigetragen hat. Ausstellung des Museo Casa de la Memoria (Haus der Erinnerung) in Medellín/COL 2023. LINK

“Im Exil ereignen sich zwei Symphonien gleichzeitig, zwei Realitäten stehen vor derselben Zeit. Mit Gewalt berührt eine Welt eine andere und muss lernen, Wurzeln zu schlagen. Im Exil wird das gelobte Land ins Innere verlegt” – In den letzten Jahren  gab es große Auswanderungswellen als Folge von Gewalt und Arbeits- und Perspektivlosigkeit. 4 bis 5 Millionen Kolumbianer:innen (10 % der Bevölkerung) leben mittlerweile im Ausland (nach  Semana-Magazin. Alarmierende Zahlen zum Exil von Kolumbianern. 15. Juni 2003). Schaukasten im Museo Casa de la Memoria (Haus der Erinnerung) in Medellín/COL 2023. LINK

Können wir uns in Oberflächen, Strukturen und Texturen selbst sehen? Dorothee Krings (Berlin) war und ist neben vielem anderen auch Fotografin. In den vergangenen Jahren hat sie private Trauma-Salons veranstaltet, in denen sich über persönliche Zugänge zur eigenen Geschichte, zu Verletzungen und eigenem Umgang damit ausgetauscht werden konnte. Makrofotografie ist bei ihr ein bildgebendes Verfahren, das optisch frei legt, was unmöglich scheint: die tiefer liegenden Schichten der Zeit. Ihre Bilder sprechen von der Verwundbarkeit unserer Welt und damit auch von unserer Verletzlichkeit.

Die Verbrechen gegen die LGBTIQ-Bevölkerung aufgrund gesellschaftlicher Vorurteile sind brutal und vielfältig und haben eine ganze Generation zutiefst traumatisiert. Ihr Kampf für Freiheitsrechte verkörpert den Mut, die zu sein, die sie sind und die zu lieben, die sie lieben wollen. Die zugefügten Verletzungen sind auch das Erbe der nächsten Generation. Die Frage ist, wie sie – als Einzelne und als Community – die Vergangenheit der Älteren und den ihnen zugefügten Schmerz überwinden können. Schaukasten im Museo Casa de la Memoria (Haus der Erinnerung) in Medellín/COL 2023. LINK